Junge Menschen interessieren sich für die Arbeit in der Blumenau-Gesellschaft e.V.

Kontakte zwischen Braunschweig und Joinville im Bundesstaat Santa Catarina

Die Blumenau-Gesellschaft e.V. beschäftigt sich mit der Erforschung und Erschließung der historischen Gegebenheiten und den kulturellen Einflüssen deutscher Siedler im 19. und 20. Jahrhundert auf die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung in den Südstaaten Brasiliens – insbesondere im Bundesstaat Santa Catarina und daselbst wieder im Itajaí-Tal und der Stadt Blumenau. Dabei interessieren die Pioniertätigkeit der ersten deutschen Siedler, die sich herausbildenden Persönlichkeiten in diesem historischen Prozess und ihre Leistungen und die ethnologische und kulturelle Ausstrahlung für die Entwicklung einer einheitlichen brasilianischen Bevölkerung in diesem Territorium.

Die Erfahrungen werden von den Immigranten und ihren Nachfolgegenerationen sowohl in Brasilien als auch in Deutschland getragen. Mit der weiteren Entwicklung entfernen sie sich vom Ursprung her, um so stärker findet eine Verflechtung der jeweiligen brasilianischen und deutschen Einflussfaktoren statt, homogenisieren die Gegebenheiten des täglichen Lebens und lassen historische Fakten verblassen.

Aus diesem Grunde stellt sich beispielsweise die Blumenau-Gesellschaft die Aufgabe, verstärkt junge Menschen in ihre Arbeit einzubeziehen. Das geschieht indirekt, indem man sie unmittelbar für die Arbeit interessiert. Höhepunkte sind natürlich Erlebnisse vor Ort mit persönlichen Kontakten zur Sprache, zum Land und zu den Menschen.

Die Verantwortlichen der Stadt Braunschweig leisten in diesem Sinne eine recht gute Arbeit.- Sicher ist das auch damit begründet, dass Dr. Hermann Blumenau mit dieser Stadt sein Leben lang verbunden war. Er besuchte in Braunschweig das Gymnasium Martino Katharineum und kehrte nach der „Pioniertätigkeit“ in Brasilien mit 64 Jahren mit seiner Familie nach Braunschweig zurück. Hier wurde er nach seinem Tod im Jahre 1899 begraben.

Einer dieser Unermüdlichen in der Öffentlichkeitsarbeit Braunschweigs ist Edmund Heide, der in den verschiedensten Arbeitsgruppen und Vereinen seiner Heimatstadt tätig ist und sich der Heimatpflege besonders verpflichtet fühlt.
Er organisierte u.a. im Jahre 2003 ein Regionalquiz für Schülerinnen und Schüler. Er berichtet:

„Aus allen Bereichen der Region wurden Fragen zusammengestellt, um so die Zielgruppe Schüler in geeigneter Form zu erreichen. Unterteilt in jeweils zwei Altersgruppen wurden insgesamt 50 Fragen mit vier vorgegebenen Lösungsgeboten vorgestellt. Somit konnte die große Vielfalt innerhalb der Braunschweigischen Landschaft hinsichtlich der Kultur unseres Raumes zusammengestellt werden.
Als hilfreich erwies es sich, dass auf den Ausschreibungsunterlagen die sechs Städte und Landkreise sowie etwa 30 weitere Kommunen aufgeführt wurden, sodass das Gebiet der Landschaft abgesteckt wurde.
Es war die Absicht … , möglichst viele Daten und Namen aus Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel in Erinnerung zu rufen. Mit dieser ‚Spurensuche‘ sollte auch ein Beitrag geleistet werden, eine größere Identifikation mit dem Gebiet zwischen Harz und Heide zu erreichen.
Insgesamt haben über 1 800 Schüler/Innen der verschiedenen Schularten ihre Lösungen abgegeben … Mehr als 300 Preise standen zur Verfügung, um so zusätzliche Anreize zu schaffen. …
Die Präsentation (Preisverleihung) in allen sechs Orten verzeichnete eine gute Beteiligung, zumal oftmals Eltern und Mitschüler die Veranstaltung in den Museen, Rathäusern oder Landkreisämtern begleiteten. Auf der größten Veranstaltung im Städtischen Museum Am Löwenwall in Braunschweig zählten wir etwa 200 Beteiligte. Die Ausgabe der Preise wurde musikalisch umrahmt.
Sehr erfreulich war die Resonanz über die Preisverleihung seitens der Lokalzeitungen; sie informierten hierüber ausführlich in Bildberichten – insgesamt mindestens zwei- bis dreimal pro Stadt und Landkreis. …“

Im Schülerquiz hatte man u.a. die Frage aufgenommen:

„Erinnert ihr euch an das EXPO-Projekt ‚Auswanderung‘ in Wolfenbüttel? – Aus dem Herzogtum Braunschweig zog es im Jahre 1850 eine Auswanderergruppe bis nach Südbrasilien in den Staat Santa Catarina. Heute trägt die Stadt – so groß wie Braunschweig – den Namen des Gründers (gestorben 1899 in Braunschweig). Wie heißt er?

  • Heinrich Büssing
  • Hermann Blumenau
  • Wilhelm Bracke
  • Gottfried Leibnitz

Zu Brasilien kann man in Braunschweig viele Aktivitäten mehr registrieren, mit denen man junge Menschen an die Auswanderer-Geschichte heran führt.
So empfing man zu Beginn des Jahres 2003 Schüler aus Joinville SC im Rathaus von Braunschweig; Schloß-Gymnasiasten aus Braunschweig erwiderten den Besuch im Oktober des gleichen Jahres.
Die Vorsitzende der Blumenau-Gesellschaft, Jutta Blumenau-Niesel, trat vor den Schülern des Gymnasiums Martino Katharineum in Braunschweig auf und berichtete über die Leistungen und Erfahrungen ihres Urgroßvaters bei der Gründung der Kolonie Blumenau im Bundesstaat Santa Catarina. – Eine Gedenktafel am Gymnasium soll zukünftig an den ehemaligen Schüler Dr. Hermann Blumenau erinnern.

Aber auch anderen Orts wird Einfluss auf das Erinnern und die Pflege um die deutsche Auswanderer-Geschichte nach Südbrasilien genommen.
So interveniert die Blumenau-Gesellschaft mit ihrer Vorsitzenden gegen die Schließung der Sekundarschule Dr. Hermann Blumenau in Hasselfelde / Harz.
Beachtenswert ist auch, dass – wenn wir heute die Homepage der Blumenau-Gesellschaft lesen können – dieselbe von einem jungen Mann aus Dresden gestaltet und programmiert wurde.

Sicher sind all diese und andere Bemühungen um die Gewinnung und Einbeziehung junger Menschen lobenswert. Sind sie aber wirklich ausreichend?
Die Blumenau-Gesellschaft bittet ihre Mitglieder und Freunde mitzuhelfen, Menschen für die Aufgaben der Gesellschaft zu interessieren. Besonders junge Interessenten mögen den Weg zu uns finden; sie werden sehr bald verspüren, wie spannend sich die Mitarbeit in der Blumenau-Gesellschaft e.V. gestaltet und wie stark schließlich das Fernweh zum Reisen in ein bezauberndes Land zu liebenswürdigen Menschen verlockt.

Edmund Heide, Braunschweig

 

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