{"id":990,"date":"2016-04-24T10:46:57","date_gmt":"2016-04-24T10:46:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=990"},"modified":"2016-04-28T13:06:07","modified_gmt":"2016-04-28T13:06:07","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=990","title":{"rendered":"<font color=\"#00961\">Geschichte<\/font>"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das 19. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M<\/strong>it der franz\u00f6sischen Revolution hatte der Weg aus einer vom Feudalismus beherrschten Gesellschaft zum freiheitlich-demokratisch gepr\u00e4gten System der Neuzeit begonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>as Zeitalter der Aufkl\u00e4rung f\u00fchrte, wiederum von Frankreich ausgehend, auch in Deutschland zu bahnbrechenden Ver\u00e4nderungen. Schiller, Goethe, Lessing, Beethoven, Schubert, Brahms haben heute f\u00fcr viele ihren Glanz verloren. Das aber liegt nicht an deren \u2018altmodischen\u2018 Themen, sondern am Wandel des kulturellen Selbstverst\u00e4ndnisses, an ver\u00e4nderter Kenntnis- und Interessenlage unserer medial bestimmten Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B<\/strong>eobachtung der Natur in ihren funktionalen und physikalischen Zusammenh\u00e4ngen \u2013 auch ihre Sch\u00f6nheit \u2013 waren nicht nur f\u00fcr Goethe Zentrum des neu erwachten Wissendurstes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P<\/strong>r\u00e4gend und zukunftsweisend<strong>:<\/strong>\u00a0Naturwissenschaftliche Forschung, die auf Darwins Evolutionslehre beruhte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>as Volk erhob sich und revoltierte gegen veraltete, menschenunw\u00fcrdige Herrschaftsformen, gegen unsinnige Vorschriften und Drangsal. Das Thema Auswanderung, zunehmend interessanter f\u00fcr viele, wurde in Gedichten beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/segel.png\" rel=\"attachment wp-att-646\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-646 alignright\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/segel-300x222.png\" alt=\"segel\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/segel-300x222.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/segel.png 647w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/strong><strong>B<\/strong>is zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Segelschiffe das g\u00e4ngige Transportmittel auf den Weltmeeren. Nach Brasilien dauerte die Reise drei Monate und fand unter heute unvorstellbaren Bedingungen statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>urch den Einsatz von Dampfschiffen, anfangs noch Dampfsegler, verk\u00fcrzte sich die Reisezeit von drei Monaten auf ca. 14 Tage bzw. 3 Wochen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dampfsegel.png\" rel=\"attachment wp-att-647\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-647 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dampfsegel.png\" alt=\"dampfsegel\" width=\"945\" height=\"773\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dampfsegel.png 945w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dampfsegel-300x245.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dampfsegel-768x628.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dampfsegler Olinda<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z<\/strong>udem f\u00fchrte die Umstellung von handwerklicher Arbeit auf maschinell betriebene Produktion zu umw\u00e4lzenden Ver\u00e4nderungen der Lebensverh\u00e4ltnisse. Auch in Deutschland waren bald die Folgen dieses Wandels sp\u00fcrbar. Die industrielle Revolution ver\u00e4nderte die Gesellschaft von Grund auf und f\u00fchrte zu einschneidenden Umbr\u00fcchen in der sozialen und kulturellen Struktur des Landes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-648 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dama.png\" alt=\"dama\" width=\"945\" height=\"715\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dama.png 945w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dama-300x227.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/dama-768x581.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><strong>I<\/strong>ndem durch den Einsatz von Dampfmaschinen l\u00e4ndliche Handwerksbetriebe ihre Existenzgrundlage verloren, mussten sie aufgegeben werden. Frauen und Kinder, deren Web- und Spinnarbeiten f\u00fcr den Lebensunterhalt unverzichtbar waren, wurden arbeitslos. Denn nun war die maschinelle Herstellung und Verarbeitung von Stoffen viel billiger. So zerfielen jahrhundertealte Strukturen, und die Landbev\u00f6lkerung verarmte.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Dampfpflug.jpg\" rel=\"attachment wp-att-397\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-397 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Dampfpflug.jpg\" alt=\"Dampfpflug\" width=\"795\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Dampfpflug.jpg 795w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Dampfpflug-300x199.jpg 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Dampfpflug-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 795px) 100vw, 795px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dampfpflug als Ersatz f\u00fcr Pflug, Egge, Sichel, Hacke, Pferd und Wagen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>ls sozialer Fortschritt galt die Aufhebung der Leibeigenschaft (1807 Preu\u00dfen, 1808 Bayern, 1817 W\u00fcrttemberg, 1832 S\u00e4chsische Oberlausitz, 1849 \u00d6sterreich, 1861 Russland) \u2013 und damit die Befreiung der Bauern von \u2018Hand- und Spanndiensten\u2018, von \u2018Fronarbeit\u2018 f\u00fcr ihre Herrschaft, die Grundherren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch damit besserte sich die Lage der Bauern nicht. Pl\u00f6tzlich unabh\u00e4ngig, mussten sie sogleich f\u00fcr den eigenen Unterhalt, f\u00fcr Leib und Leben der kinderreichen Familien, f\u00fcr Haus und Hof, f\u00fcr medizinische Versorgung, f\u00fcr Futtermittel und Saatgut, aufkommen. All dies war bis dahin Aufgabe der Grundherren. Sie herrschten nach wie vor \u00fcber Land und Leute, und sie bestimmten die Preise f\u00fcr das, was die Bauern nun bei ihnen einkaufen mussten. Wovon? Geldwirtschaft war ihnen fremd. Um zahlen zu k\u00f6nnen, mussten sie zun\u00e4chst die Ernte und dann, nach und nach, die eigene Scholle verkaufen \u2013 an die, nun die Preise bestimmenden Grundherren. So entstand, z. B. in \u2018Ostelbien\u2018, besonders in Schlesien und Ostpreu\u00dfen, Gro\u00dfgrundbesitz von bis dahin unbekannten Ausma\u00dfen. Vom \u2018<em>Bauernlegen<\/em>\u2018 war die Rede.<\/p>\n<p><strong>I<\/strong>mmer mehr M\u00e4nner verlie\u00dfen Haus, Hof und Familie, zogen in die St\u00e4dte. Einsam, aber in Massen lebten sie in Mietskasernen und arbeiteten als Ungelernte in m\u00e4chtigen Fabriken \u2013 f\u00fcr einen Hungerlohn. (Geburtsstunde der Gewerkschaften.)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jutta2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-414\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-414 size-large\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jutta2-1024x622.jpg\" alt=\"jutta2\" width=\"640\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jutta2-1024x622.jpg 1024w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jutta2-300x182.jpg 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jutta2-768x466.jpg 768w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jutta2.jpg 1112w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>N<\/strong>ach und nach \u2013 viele konnten weder schreiben noch lesen \u2013 verloren sie die Verbindung zu ihren Familien und damit ihre einst unanfechtbare Stellung als \u201a\u2018pater familias\u2018 auf dem Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder unterlagen sie einem System der Ausbeutung. Nun der Unterwerfung unter das Gesetz der gewinnorientierten industriellen Produktion. Diese Menschen hatten Heimat und Identit\u00e4t verloren. Viele wanderten aus und suchten eine neue.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Schiff-im-Sturm-vor-Rio-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-403\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-403 size-large\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Schiff-im-Sturm-vor-Rio-1-1024x587.jpg\" alt=\"Schiff im Sturm vor Rio\" width=\"640\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Schiff-im-Sturm-vor-Rio-1-1024x587.jpg 1024w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Schiff-im-Sturm-vor-Rio-1-300x172.jpg 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Schiff-im-Sturm-vor-Rio-1-768x441.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schiff im Sturm vor Rio<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Hochwasser in Blumenau<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dc<\/strong>berschwemmungen in Flusst\u00e4lern sind naturgegeben. Das wussten auch die Deutschen, als sie 1850 an den Ufern des gro\u00dfen Flusses Itaja\u00ed siedelten und als solide Existenzsicherung Wasserm\u00fchlen f\u00fcr Holzschnitt, \u00d6lfr\u00fcchte, Getreide anlegten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober 1852 stieg das Wasser so hoch, dass fast alles, was in m\u00fchevoller Arbeit entstanden war, von dieser Urgewalt weggerissen wurde: H\u00e4user, Br\u00fccken, St\u00e4lle, Vieh, die neuen M\u00fchlen.<\/p>\n<p>Fassungslos standen die Siedler vor dieser Katastrophe.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hochwasser.png\" rel=\"attachment wp-att-631\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-631 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hochwasser-e1460388104253.png\" alt=\"hochwasser\" width=\"645\" height=\"455\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hochwasser-e1460388104253.png 645w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hochwasser-e1460388104253-300x212.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>a der Gr\u00fcnder derzeit bei der Regierung in Rio um finanzielle Hilfe f\u00fcr die Siedlung warb, richteten die Bewohner alle Wut gegen seinen Kompagnon Hackradt. Der stellte fest, dass dieser Standort keinen wirtschaftlichen Gewinn bringen k\u00f6nnte \u2013 was f\u00fcr das Bestehen des Privatunternehmens Blumenau &amp; Hackradt und damit f\u00fcr die Existenz der Siedler lebenswichtig war, k\u00fcndigte die Zusammenarbeit und lie\u00df sich die Kredite zur\u00fcckzahlen. F\u00fcr Blumenau eine Katastrophe. Nun stand er, im Jahr zwei nach Gr\u00fcndung dieses deutschen Dorfes im brasilianischen Urwald, vor den Ruinen seines so hochherzig geplanten Siedlungsprojekts und war pleite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>nders aber als Hackradt, gab Blumenau nicht auf, weil er vom Vorsatz, den Eingewanderten eine neue Lebensgrundlage zu schaffen, nicht ablie\u00df, nicht ablassen konnte<strong>:<\/strong>\u00a0er hatte diese Menschen als Angestellte und Arbeiter in Deutschland angeworben und f\u00fchlte sich f\u00fcr ihr Wohlergehen pers\u00f6nlich verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Z<\/strong>wischen 1851 und 1880 war der Itaja\u00ed zehn Mal \u00fcber die Ufer getreten. Stets haben die Blumenauer dem Element getrotzt und wieder aufgebaut. 1880 sollte es anders kommen.<\/p>\n<p>Auszug aus Blumenaus Bericht:<\/p>\n<p><em>Eines meiner H\u00e4user, in dem mein Buchhalter und mein G\u00e4rtner wohnten, und das auf einer sch\u00f6nen Landzunge errichtet war, wurde durch die Wut des entfesselten Elementes fortgerissen\u2026 Ich bin im allgemeinen nicht weich, konnte aber nicht verhindern, dass ich wie ein Kind weinte, als ich bei meiner Ankunft \u00fcberall das Bild der Zerst\u00f6rung sah\u2026alles\u00a0<\/em>(war)<em>\u00a0verschwunden\u2026 an der Stelle lag eine zerw\u00fchlte Uferb\u00f6schung und eine Sandbank. Am ganzen Flusslauf und an viel gef\u00e4hrdeteren Orten war nicht ein einziges Haus zerst\u00f6rt worden\u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>em letzten Satz\u00a0<em>Am ganzen Flusslauf und an viel gef\u00e4hrdeteren Orten war nicht ein einziges Haus zerst\u00f6rt worden<\/em>\u00a0m\u00f6gen wir in Anbetracht der nachgewiesenen Verw\u00fcstungen keinen rechten Glauben schenken.<\/p>\n<p>Wir fragen uns, warum Bewohner hochgef\u00e4hrdeter Regionen ihr Anwesen nicht verlassen haben.<\/p>\n<p>Warum hatte man Hermann Blumenau als er der Regierung seinen Siedlungsplatz vorlegte, nichts \u00fcber Macht und Gefahr des gro\u00dfen Flusses gesagt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>uch heute leben Menschen in hochwassergef\u00e4hrdeten Regionen \u2013 in Blumenau, im Tal des Itaja\u00ed bis hinunter zum Atlantischen Ozean und im gesamten Land. Bis elf Meter, so sagen die Blumenauer, besteht keine gr\u00f6\u00dfere Gefahr! Bevor das Wasser bedrohlich ansteigt, wird das Erdgeschoss ausger\u00e4umt. So ist es auch heute. Starke Nachbarn helfen Schwachen, packen mit an, wenn z. B. das Klavier auf den Dachboden bzw. in die erste Etage gehievt werden mu\u00df. Bis heute sind Blumenauer f\u00fcr ihre Hilfsbereitschaft bekannt und \u2013 gefragt.<\/p>\n<p>\u2018Gew\u00f6hnliche\u2018 Hochwasser richten keine gr\u00f6\u00dferen Sch\u00e4den an. Schlimm waren 1852:16,30 m, 1855:13,30 m, 1880:17,10 m, 1911:16,90 m,1983:14,50 m, 2008:16.30 m.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hw2.png\" rel=\"attachment wp-att-632\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-632 size-full alignleft\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hw2.png\" alt=\"hw2\" width=\"454\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hw2.png 454w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/hw2-300x206.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><\/a><strong>I<\/strong>m Hochwasser 1983 hatten zahllose Menschen ihre Bleibe verloren. Die Sch\u00e4den waren immens. Rettung brachte die geniale Idee eines Stadtverordneten: Er kopierte das M\u00fcnchner Oktoberfest, das seit 1984 jedes Jahr in Blumenau stattfindet und mit bis zu einer Million Besuchern aus aller Welt, die Stadtkasse erheblich aufbessert.<\/p>\n<p>Mittlerweile imitieren mehrere brasilianische St\u00e4dte das M\u00fcnchner Wies\u2018nfest, weil es richtig viel Geld bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Hochwasserkatastrophe vom November 2008 hat die Blumenau-Gesellschaft 6000 Euro zusammengebracht! Wir konnten die Summe in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche in Blumenau und Neuendettelsau\/Bayern vorteilhaft transferieren und mit Beratung von Pastor Gierus wirklich Bed\u00fcrftigen in der Stadt und auf dem Land zu Hilfe kommen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2008.jpg\" rel=\"attachment wp-att-395\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-395 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2008.jpg\" alt=\"2008\" width=\"669\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2008.jpg 669w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2008-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1948.jpg\" rel=\"attachment wp-att-394\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-394 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1948.jpg\" alt=\"1948\" width=\"640\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1948.jpg 640w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1948-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1911.jpg\" rel=\"attachment wp-att-391\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-391 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1911.jpg\" alt=\"1911\" width=\"1577\" height=\"1007\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1911.jpg 1577w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1911-300x192.jpg 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1911-768x490.jpg 768w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/1911-1024x654.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1577px) 100vw, 1577px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Jutta Blumenau-Niesel<\/p>\n<p><strong>Oktoberfest in Blumenau \u2013 warum nicht Karneval?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K<\/strong>ein brasilianisches Bundesland war im 19. Jahrhundert so protestantisch gepr\u00e4gt wie Santa Catarina. Denn die Einwanderer kamen aus Mittel- Nord- und Ostdeutschland wo Martin Luther strenge Sitten und christliche Bescheidenheit gelehrt hatte. Besonders in der Fremde gaben diese Eigenschaften und echte Fr\u00f6mmigkeit \u2013\u2018ein feste Burg ist unser Gott\u2018 \u2013 Halt im Sturm der Ereignisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ie meist blonden, an k\u00fchl-regnerisches Klima gew\u00f6hnten Einwanderer waren flei\u00dfig und sparsam. Man strebte nach solider Lebensgrundlage. Nach und nach erreichten die Deutschen in der neuen Heimat Wohlstand, Ansehen, arbeiteten und wirtschafteten so, dass ihre Leistung zum Vorbild wurde \u2013 ein Gewinn f\u00fcr die Wirtschaft in ganz Brasilien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F<\/strong>r\u00fch gr\u00fcndeten die Siedler, wie sollte es anders sein, Sch\u00fctzen- und Sportvereine. Ch\u00f6re, Theater- und Volkstanzgruppen entstanden schon w\u00e4hrend der Aufbaujahre und waren neben dem sonnt\u00e4glichen Gottesdienst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Ab 1857 gab es einen evangelischen Pastor in Blumenau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K<\/strong>arneval, verp\u00f6nt bei Protestanten, wurde nicht gefeiert. In den protestantisch gepr\u00e4gten \u201a\u2018Deutschen Landen\u2018 (Deutschland als Ganzes gab es erst ab 1871), \u00fcberlie\u00df man dies herablassend, doch hier und da ein wenig neidvoll, den Katholiken im Westen und S\u00fcdwesten an Rhein, Main und Mosel, wo das Klima weniger rauh, die Trauben s\u00fc\u00df, der Wein s\u00fcffig, das Leben leichter war. Die prunkvollen Gew\u00e4nder der kirchlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger, Augenweide bei Prozessionen, die feierlichen Riten und der bet\u00f6rende Duft des Weihrauchs taten ihre Wirkung. Glanz und Farbenpracht von Messen und Hoch\u00e4mtern finden ihr weltlich-glanzvolles Gegenst\u00fcck im Karneval, bei Fastnacht oder Fasching.<\/p>\n<p><strong>K<\/strong>arneval in Rio ist anders. Man zeigt viel nackte Haut.<\/p>\n<p>Es ist ja Sommer in Brasilien. Die prunkvollen, eng anliegenden, im schm\u00fcckenden Beiwerk weit ausladenden Kost\u00fcme heben Sch\u00f6nheit und Anmut der Brasilianerinnen bet\u00f6rend hervor.<\/p>\n<p>Lebensfreude trotz Armut, Tanz trotz Sorgen \u2013 Karneval in Rio versteckt auch Elend und Unrecht hinter der gl\u00e4nzenden Kulisse von Show, Samba und Erotik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>n Blumenau aber, beim Oktoberfest, sitzen die G\u00e4ste ganz z\u00fcnftig auf Holzb\u00e4nken an langen Tischen, schunkeln, singen deutsche Lieder und trinken so viele Ma\u00df wie ein \u2018ganzer Mann\u2018 vertragen kann \u2013 oder auch nicht. Der Filzhut wird oft beiseitegelegt \u2013 wegen der Hitze. Lederne Sepplhosen tr\u00e4gt Mann gern \u2013 auch wenn\u2018s darunter arg hei\u00df werden kann. Wer eine hat,\u00a0<em>ist wer<\/em>\u00a0beim Oktoberfest in Blumenau!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er\u2018s noch war, zeigte sich Staatspr\u00e4sident Lula mit leuchtend rotem Filzhut plus Gamsbart (extra leichte Anfertigung, wie man munkelte). Sepplhose aber trug er nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z<\/strong>u sp\u00e4ter Stunde in der \u2018Vila Germ\u00e2nica\u2019, dem riesigen Oktoberfestgel\u00e4nde mit gro\u00dfen Hallen und imitierten altdeutschen Gassen samt Fachwerkh\u00e4usern, mischt sich \u2013kaum traut man seinen Ohren \u2013 Sambarhythmus in bayerische Blasmusik und deutsche T\u00e4nze! Es wogt der Saal! Wir sind in Brasilien und feiern das Oktoberfest auf deutsch-brasilianisch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>arum in Blumenau? \u2013 weil die Stadt 1983 nach einem verheerenden Hochwasser so schwere Sch\u00e4den erlitten hatte, dass, trotz Unterst\u00fctzung aus dem In- und Ausland, das Geld zur Schadensbeseitigung nicht reichte. Seit 1984 brachte und bringt das Oktoberfest Millionen \u2013 Reais und Besucher! Mittlerweile haben einige brasilianische St\u00e4dte das Fest auf der Wies\u2018n \u00fcbernommen. Echte Konkurrenz zum Karneval in Rio? Sicher nicht, aber f\u00fcr Brasilianer s e h r exotisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Jutta Blumenau-Niesel<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das 19. Jahrhundert Mit der franz\u00f6sischen Revolution hatte der Weg aus einer vom Feudalismus beherrschten Gesellschaft zum freiheitlich-demokratisch gepr\u00e4gten System der Neuzeit begonnen. Das Zeitalter der Aufkl\u00e4rung f\u00fchrte, wiederum von Frankreich ausgehend, auch in Deutschland zu bahnbrechenden Ver\u00e4nderungen. 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