{"id":985,"date":"2016-04-24T10:43:51","date_gmt":"2016-04-24T10:43:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=985"},"modified":"2016-04-28T13:46:01","modified_gmt":"2016-04-28T13:46:01","slug":"auswanderung-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=985","title":{"rendered":"<font color=\"#00961\">Auswanderung<\/font>"},"content":{"rendered":"<p><strong>Abreise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>A<\/strong>ls die Anker sich langsam hoben und der kleine Dampfer, der unser Schiff bugsierte, die R\u00e4der schaufeln lie\u00df und mit uns die Elbe langsam hinabglitt, blieb kein Auge trocken. Es war ja der Abschied vom Vaterland und allem anderen, was den Auswanderern lieb und teuer war.\u201c<\/p>\n<p>Bericht von Theo Kleine, 1853 auf der Reise nach Blumenau.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/abreise.png\" rel=\"attachment wp-att-655\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-655 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/abreise.png\" alt=\"abreise\" width=\"633\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/abreise.png 633w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/abreise-300x217.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 633px) 100vw, 633px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf gro\u00dfer Fahrt<\/strong><\/p>\n<p><strong>U<\/strong>m 1850 fa\u00dften die gro\u00dfen deutschen Segler 500 \u2013 800 Tonnen. Die Mehrzahl der Flotte bestand aus kleineren Schiffen wie Barken, Briggs, Schoner, Zweimaster mit 100 bis 200 Tonnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Bark-Neptun-v-Altona.jpg\" rel=\"attachment wp-att-755\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-755 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Bark-Neptun-v-Altona.jpg\" alt=\"Bark Neptun v Altona\" width=\"950\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Bark-Neptun-v-Altona.jpg 950w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Bark-Neptun-v-Altona-300x211.jpg 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Bark-Neptun-v-Altona-768x539.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>S<\/strong>eine erste Brasilienreise unternahm mein Urgro\u00dfvater 1846 auf der Brigg\u00a0<em>Johannes<\/em>\u00a0\u201enicht sehr gro\u00df und etwas schmal, 200 Tonnen\u201c, wie er schrieb und \u201eein guter Segler\u201c. \u00c4hnlich wie die\u00a0<em>Neptun<\/em>\u00a0k\u00f6nnen wir uns die\u00a0<em>Johannes\u00a0<\/em>vorstellen \u2013 vermutlich etwas abgenutzter.<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>b Mitte der F\u00fcnfzigerjahre des 19. Jahrhunderts \u00fcberquerten Dreimaster, sogenannte Klipper, die Meere, in den Sechzigerjahren auch Tausendtonner.<\/p>\n<p>Im Jahr 1838 fuhr das erste Dampfschiff \u00fcber den Ozean.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>\u00e4hrend der rund drei Monate dauernden Reise nach Brasilien starben regelm\u00e4\u00dfig Passagiere \u2013 an ansteckenden Krankheiten wie Cholera, denn das Trinkwasser zu der Zeit nicht nur knapp, sondern nach sp\u00e4testens sechs Wochen, brackig und voller Keime. Untersuchungen auf Schadstoffe etc. gab es noch nicht. Auch die Ern\u00e4hrung, Speck, Salzfleisch, H\u00fclsenfr\u00fcchte, Hartbrot, war schlecht und vitaminarm. Skorbut, jene Mangelkrankheit, bei der Z\u00e4hne ausfielen, Knochen br\u00fcchig wurden, Organe versagten, war an der Tagesordnung. Seekrank wurden fast alle, und der Gestank war entsetzlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>uswanderer reisten meist in Frachtr\u00e4umen unter Deck, damit ohne Tageslicht, ohne Frischluft. Krankheiten verbreiteten sich rasend schnell, denn zur schlechten Luft in diesen \u2018schwimmenden S\u00e4rgen\u2018, wie Auswandererschiffe oft genannt wurden kamen katastrophale hygienische Zust\u00e4nde. Schmutz und Unrat lagen umher, weil es noch keine geordnete Abfallbeseitigung, keine M\u00fcllcontainer, keine Toiletten gab.<\/p>\n<p><strong>W<\/strong>er es sich leisten konnte reiste als \u2018Kaj\u00fctpassagier\u2018 mit zwei oder drei Personen und a\u00df mit am Tisch des Kapit\u00e4ns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dies \u2018Privileg\u2018 hatte seine T\u00fccken. Wenn \u201eder Kapit\u00e4n\u201c, wie Hermann Blumenau berichtete, \u201eein ekliger Kerl, ein ganz ordin\u00e4rer Mensch\u201c war und von den Mahlzeiten, die, meist \u00e4hnlich schlecht als f\u00fcr Zwischendeckpassagiere waren, das Beste, z.B. vom \u2018Sonntagshuhn\u2018 allein verzehrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blumenau beschrieb es mehrmals und klagte \u00fcber \u201eschlechte, unverdauliche Kost\u201c und \u201eeinen widerw\u00e4rtigen Magenzustand\u2026\u201c und \u201edie Seekrankheit macht alle Geisteskr\u00e4fte wie die des K\u00f6rpers so stumpf und schwach, dass man absolut unf\u00e4hig wird,etwas Vern\u00fcnftiges anzufangen und einen Gedanken zu fassen\u201c.<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>uf 28 Schiffen mit 13 762 Passagieren, die im November 1853 in New York eintrafen (Brasilien ist bekanntlich viel weiter entfernt), gab es 1141 Tote.<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>usnahme:\u00a0<strong>Die gro\u00dfe Olbers<\/strong>\u00a0\u2013 ein Segler, der bereits 1828 nach Rio Grande do Sul unterwegs war.<\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-651 alignright\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/olbers-300x230.png\" alt=\"olbers\" width=\"300\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/olbers-300x230.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/olbers.png 521w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/em><strong>B<\/strong>ericht eines Passagiers:<\/p>\n<p><em>Die Olbers war so hoch, dass einem das Genick ganz steif wurde, wenn man hinaufschaute\u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nach 13 Wochen Aufenthalt in Bremen\u00a0<\/em>(Warten auf geeignete Windrichtung)\u00a0<em>fuhren wir mit einem Boot die Weser hinunter und gelangten zu dem gro\u00dfen Schiff \u2018Olbers\u2018\u2026 Wir bestiegen es, lagen noch 14 Tage im Hafen und segelten am 26. September 1828 in die Nordsee ein&#8230;\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir befuhren gl\u00fccklich und gesund das Weltmeer, hatten wohl eine beschwerliche, aber nicht gef\u00e4hrliche Fahrt. Keines von unserer Familie wurde krank, indessen von 874 Menschen, die auf dem Schiff waren, starben 47, gro\u00df und klein, die ihr Grab in den Meereswellen fanden&#8230;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Den\u00a0<u>17. Dezember 1828<\/u>\u00a0kamen wir in Rio de Janeiro, der ersten Stadt in Brasilien an und hatten 3400 Stunden zur\u00fcckgelegt von Bremen aus. W\u00e4hrend der \u00dcberfahrt wurden 47 Kinder geboren.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als wir in der N\u00e4he der Sonnenlinie\u00a0<\/em>(\u00c4quator)\u00a0<em>waren, wo die Hitze am gr\u00f6\u00dften ist, bekamen wir nur wenig und dazu schlechtes Wasser, so dass manche davon erkrankten. Die Leute, welche sich die Auswanderer zu ihren Vorstehern ausgew\u00e4hlt hatten, stellten dem Kapit\u00e4n unsere Notlage vor. Dieser aber wurde b\u00f6s und lie\u00df vor seiner Kaj\u00fcte eine geladene Kanone aufstellen\u2026Als wir uns aber nicht einsch\u00fcchtern lie\u00dfen, gab der Kapit\u00e4n nach, und wir bekamen mehr und auch besseres Wasser.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>V<\/strong>on denen, die einzeln, ohne fachkundige Beratung oder F\u00fchrung brasilianischen Boden erreicht hatten, wusste fast niemand, dass auch hier Gefahr drohte: An Land wurden sie &#8211; nicht selten &#8211; von gewieften \u2018Gesch\u00e4ftsleuten\u2018 mit dem Versprechen verlockt, bei einem Gro\u00dfgrundbesitzer Arbeit zu finden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Schultze-M\u00fcller.jpg\" rel=\"attachment wp-att-757\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-757 size-large\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Schultze-M\u00fcller-666x1024.jpg\" alt=\"Schultze &amp; M\u00fcller\" width=\"640\" height=\"984\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Schultze-M\u00fcller-666x1024.jpg 666w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Schultze-M\u00fcller-195x300.jpg 195w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Schultze-M\u00fcller-768x1180.jpg 768w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Schultze-M\u00fcller.jpg 976w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ie Wirklichkeit sah anders aus: Wei\u00dfe Sklaven\u2018, damals ein g\u00e4ngiger Begriff, wurden schutzlose Einwanderer ebenso schlecht \u2018gehalten\u2018 wie ihre Leidensgenossen aus Afrika. Unkenntnis der Sitten und Gebr\u00e4uche, der Mentalit\u00e4t, der portugiesischen Sprache bewirkten ein \u00dcbriges.<\/p>\n<p><strong>W<\/strong>er allem entkommen war, sein Ziel erreicht hatte. begann mit der Arbeit und hoffte auf selbstbestimmtes Leben in Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Rebellion auf dem Schiff<\/strong><\/p>\n<p>Bericht von Karl Kleine, 1853<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zwischendeck fing es an, unter den Immigranten zu g\u00e4ren, weil man wusste, dass noch besseres Wasser an Bord war, welches aber nur die Kaj\u00fctenpassagiere und die Besatzung des Schiffes bekamen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich wurde ein Sprecher zum Kapit\u00e4n gesandt, der energisch Abhilfe verlangen sollte. Unter sich aber hatten die M\u00e4nner beschlossen, dass sie im Falle einer Abweisung Gewalt gebrauchen wollten, das hei\u00dft, sie wollten sich des guten Wassers bem\u00e4chtigen, ohne jemandem ein Leid zu tun, wenn ihnen nicht der Kapit\u00e4n bewaffnet gegen\u00fcbertr\u00e4te. Zum Sprecher hatten sich die Emp\u00f6rer ungl\u00fccklicherweise meinen Vater gew\u00e4hlt, der zu einer solchen Mission viel zu hitzig war. Der Kapit\u00e4n h\u00f6rte ihn ungeduldig an und gab dann eine so grobe, abweisende Antwort, dass mein Vater aufbrauste und bittere Worte fallen lie\u00df. Dar\u00fcber geriet der Kapit\u00e4n so in Zorn, dass er von \u201ean den Mast binden\u201c und \u201ein Ketten legen\u201c sprach. Er h\u00e4tte seine Drohung wohl auch ausgef\u00fchrt, aber die drohende Haltung der Passagiere hielt ihn davon ab\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Passagier hatte der Vorfall das Gute, dass sie fortan besseres Wasser bekamen, denn der Kapit\u00e4n hatte doch wohl gemerkt, was folgen w\u00fcrde und wollte es nicht aufs \u00e4u\u00dferste kommen lassen. F\u00fcr meinen Vater aber trug es \u00fcble Folgen. So durften von dieser Zeit an weder mein Vater noch wir Br\u00fcder mehr in die Kaj\u00fcte kommen, um unsere kranke Mutter zu sehen\u2026<\/p>\n<p>Endlich bl\u00e4hte Wind die Segel wieder! Der Alte Trog setzte sich langsam in Bewegung. Alle Leute auf dem Schiff lebten wieder auf und dankten Gott f\u00fcr die Rettung aus dieser schrecklichen Lage. Ein Opfer hatte diese aber doch gefordert.<\/p>\n<p>Ein h\u00fcbsches M\u00e4dchen von achtzehn Jahren starb ganz pl\u00f6tzlich, wahrscheinlich am Hitzschlag und wurde auf dieselbe Weise wie unser armes Schwesterlein (Selma) dem Ozean \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><strong>Gem\u00fctslage<\/strong><\/p>\n<p><strong>K<\/strong>\u00f6nnen wir uns hineinversetzen in die Stimmung deutscher Auswanderer, als sie die K\u00fcste jenes Erdteils erblickten, in den sie alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft gesetzt hatten?<br \/>\nK\u00f6nnen wir uns vorstellen, was diese Menschen bewegte, als sie brasilianischen Boden betraten?<\/p>\n<p><strong>W<\/strong>arum vertrauten sie ihr Leben den unsicheren Planken eines Segelschiffes an \u2013 nicht selten uralte \u2018Seelenverk\u00e4ufer\u2018 \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/schiff.png\" rel=\"attachment wp-att-641\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-641 size-medium\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/schiff-300x296.png\" alt=\"schiff\" width=\"300\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/schiff-300x296.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/schiff-768x757.png 768w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/schiff.png 852w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>um nach drei Monaten ein Land zu erreichen, in dem \u00fcber Bewohner, Sitten und Gebr\u00e4uche h\u00f6chst widerspr\u00fcchliche, abenteuerliche, auch be\u00e4ngstigende Nachrichten im Umlauf waren? Wo die Sonne mittags im Norden steht, der Schrei wilder Tiere den Fremdling erschreckt, Kaimane an den Ufern der Fl\u00fcsse lauern, Wildkatzen (on\u00e7as) das Vieh der Siedler raubten, wo der Urwald, dicht wie eine Mauer, dem Eingewanderten Furcht einfl\u00f6\u00dft?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>as m\u00f6gen die ersten deutschen Einwanderer empfunden haben als sie 1824 eine fertige Siedlung im S\u00fcdstaat Rio Grande do Sul vorfanden? Wie reagierten sie, als ihnen dort zugemutet wurde, im Notfall die Landesgrenze gegen argentinische Eindringliche zu verteidigen?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/l\u00f6we.png\" rel=\"attachment wp-att-642\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-642 size-medium\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/l\u00f6we-212x300.png\" alt=\"l\u00f6we\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/l\u00f6we-212x300.png 212w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/l\u00f6we.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>as bewegte jene jungen Menschen, die, sechsundzwanzig Jahre sp\u00e4ter, \u00fcberw\u00e4ltigt von Sch\u00f6nheit und Majest\u00e4t einer nie geschauten Natur, vor einem Wald standen, in den einzudringen unm\u00f6glich schien, aber unumg\u00e4nglich war? Denn ihre Kolonie in Santa Catarina mussten sie, anders als Landsleute in Rio Grande do Sul, ohne Sklavenarbeit selbst aufbauen. Dies war Bedingung des Gr\u00fcnders Dr. Hermann Blumenau (1819-1899) aus Hasselfelde im Harz.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Jutta Blumenau-Niesel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reise nach Brasilien<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ausz\u00fcge aus den Notizen eines Auswanderers nach Blumenau in Brasilien von Karl Kleine, 1856. Sohn Theo ver\u00f6ffentlichte die Aufzeichnungen 1997unter dem Titel: BLUMENAU EINST \u2013 <em>Erlebnisse und Erinnerungen eines Eingewanderten<\/em> (Gramado, Rio Grande do Sul)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><em>ir beiden Knaben und mein Vater fuhren Zwischendeck. Unsere kranke Mutter mit dem Schwesterlein waren in der Kaj\u00fcte untergebracht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir beiden Jungen hatten auf der ganzen Seereise nicht die Spur von Seekrankheit, dagegen aber immer einen gewaltigen Appetit. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Kost war sehr \u201eseem\u00e4nnisch\u201c, d.h. schwer vertr\u00e4glich. Zusammengekochtes bestand aus salzigen, s\u00fc\u00dfen, harten, weichen und, je l\u00e4nger die Reise dauerte, auch verdorbenen Zutaten. Wer das vertrug, konnte auch Ziegelsteine essen, ohne krank zu werden (wahrscheinlich waren die hygienischer).<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>A<\/em><\/strong><em>uch war das Wasser von Anfang an in einem solchen Zustand, da\u00df wir uns immer im stillen wunderten, warum wir immer kalten Tee mit solch einem sonderbaren Geschmack trinken mu\u00dften, und meinten in unserer Unschuld, das m\u00fcsse wohl ein probates Mittel gegen die leidige Seekrankheit sein, kamen aber doch bald dahinter, was das f\u00fcr Medizin war. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>D<\/em><\/strong><em>as Essen war wohl reichlich, aber man denke sich einmal Graupen, Reis oder Kl\u00f6\u00dfe mit Sirup und Pflaumen in einem Topf mit Salzfleisch gekocht! Brr! Doch der Mensch gew\u00f6hnt sich ja schlie\u00dflich an alles; warum nicht auch an gesalzenen Sirup?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>J<\/em><\/strong><em>a, wenn\u2019s Erbsen, Linsen oder Labskaus gab, das war ein ander Ding! Wahre Festtage aber waren, f\u00fcr uns Jungen wenigstens, die sogenannten Puddingtage. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>S<\/em><\/strong><em>ein Rezept zur Bereitung des kostbaren Puddings hatten wir ihm <\/em>(dem Koch)<em> bald abgelauscht. Er nahm Mehl, sch\u00fcttete etwas Salz, Zucker und Sirup hinein, und, wenn er gut gelaunt<\/em> <em>war.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Da wurde denn das M\u00f6glichste geleistet im Puddingvertilgen. Auch im Vertilgen der Kekse stellten wir unseren Mann, dagegen wurde der arme Hering mit Verachtung gestraft. Morgens und nach dem Mittagessen gab\u2019s Kaffee und Keks, abends Tee mit Keks und \u2013 wer es verlangte \u2013 \u00dcberbleibsel vom Mittagessen. Viele hoben sich selber etwas vom Mittagessen zum Abend auf.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>U<\/em><\/strong><em>nser Koch, der seine Sache \u00e4u\u00dferst praktisch betrieb, sch\u00fcttete an jedem Montag gleich den Kaffe f\u00fcr die ganze Woche in einen gro\u00dfen wollenen Beutel, der fr\u00fcher einmal seine Zipfelm\u00fctze gewesen sein mu\u00dfte, denn es hing noch eine Quaste daran, deren einstige Farbe man freilich nicht mehr erkennen konnte. Jeden Tag nun wurde das n\u00f6tige Quantum kochenden Wassers darauf gegossen. Auf diese Weise schuf er seinen Kostg\u00e4ngern einen untr\u00fcglichen Wochenkalender. Am Montag gab\u2019s giftstarken Kaffee, dienstags etwas schw\u00e4cher und so fort, bis wieder Montag war. Der Sonntagskaffee hie\u00df nicht anders als Zipfelwasser. Genau ebenso verfuhr er mit dem Teeaufgu\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>m Zwischendeck befanden sich lauter unbemittelte Leute, die aber gewohnt waren, ihr Brot mit ihrer H\u00e4nde Arbeit zu verdienen, ein Umstand, der gerade damals f\u00fcr Blumenau von gro\u00dfer Wichtigkeit war (Karl Kleine 1856).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>Ankunft<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B<\/strong>eim Anblick der urt\u00fcmlich wilden, von dichtem Urwald bedeckten Natur verzweifelten viele. Andere gingen voller Elan und Tatkraft an die Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Nichts als Wald, Wald, Urwald war hier zu sehen. Wir standen auf der schmalen Stra\u00dfe, die durch den Wald geschlagen und zum Teil wieder zugewachsen war. Neben uns lagen die Kisten, die wir mitgebracht hatten\u2026. Was nun, wohin mit den Sachen? Der Wald konnte uns nicht aufnehmen, kein Schritt lie\u00df sich dahinein tun, er war dicht wie eine Mauer\u2026Und h\u00e4tte es mein Leben gekostet, ich h\u00e4tte die Tr\u00e4nen nicht zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Emilie Heinrichs, die Frau des Auswanderers, Freiburg i.Br.1921)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abreise \u201eAls die Anker sich langsam hoben und der kleine Dampfer, der unser Schiff bugsierte, die R\u00e4der schaufeln lie\u00df und mit uns die Elbe langsam hinabglitt, blieb kein Auge trocken. 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