{"id":726,"date":"2016-04-06T17:32:27","date_gmt":"2016-04-06T17:32:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=726"},"modified":"2019-06-25T17:32:52","modified_gmt":"2019-06-25T17:32:52","slug":"ureinwohner-povos-indigenas-indios","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=726","title":{"rendered":"<font color=\"#00961\">Ureinwohner &#8211; povos indigenas &#8211; &#8222;indios&#8220;<\/font>"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Indios<\/strong><strong><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios.png\" rel=\"attachment wp-att-672\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-672 alignleft\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios-238x300.png\" alt=\"indios\" width=\"238\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios-238x300.png 238w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios.png 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong>bewohnten vermutlich, bevor sie in Brasilien sesshaft wurden, jene Regionen S\u00fcdamerikas, die nicht nur mit Urwald bedeckt waren. Das jedenfalls wird von einigen Migrationsforschern vermutet, von anderen bestritten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M<\/strong>it der Entdeckung Brasiliens im Jahr 1500 begannen Auseinandersetzungen der portugiesischen Eroberer mit den Indios. Sie waren Nomaden. Einige bauten Mais und Maniok an. Ab 1830, nach Einf\u00fchrung von Nutztieren, betrieb man auch Viehzucht. Einige St\u00e4mme wurden sesshaft. Im Allgemeinen aber durchstreiften indigene V\u00f6lker das Land zum Jagen und Fischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios2.png\" rel=\"attachment wp-att-673\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-673 alignright\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios2-300x225.png\" alt=\"indios2\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios2-300x225.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/indios2.png 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ie Buger, Bugres oder Bugios wie Botokuden im 19. Jahrhundert von deutschen Einwanderern genannt wurden, f\u00fchlten sich durch die neuen Bewohner gest\u00f6rt und verteidigten ihre Jagdgr\u00fcnde gegen\u00fcber diesen Eindringlingen bis in die Neuzeit. Auch die Siedler im Tal des gro\u00dfen Flusses Itaja\u00ed blieben nicht verschont.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E<\/strong>rschreckt flohen Blumenauer in ihre H\u00e4user, wenn Botokuden auf der Pirsch in die Kolonie eindrangen. Neugierig, anfangs ohne Furcht und Angriffslust, betraten sie Stall und Haus, schauten dann und wann begehrlich in den Suppentopf auf dem Herd \u2013 und wurden bedient; die Kelle, sagt man, soll bedenklich gezittert haben in den H\u00e4nden der Hausfrau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K<\/strong>ariertem Bettzeug konnte kein Buger widerstehen. Sie zogen es ab, zerrissen das Inlett und bliesen leichte Federn spielerisch in die Luft. Eingeh\u00fcllt in blaurotes Karomuster vollf\u00fchrten sie vor den Augen der schreckensstarren Siedler seltsame Reigen. Die Kinder, sorglos und unbeschwert, imitierten bald den Indianertanz und sangen <em>\u201eEs tanzt ein Biba- Butzemann in unserm Kreis herum widebumm.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><strong>D<\/strong>rangen Gruppen wild und bewaffnet aufs Geh\u00f6ft, stiegen alle auf den Dachboden, zogen die Leiter hoch, verdeckten die Einstiegs\u00f6ffnung und schauten angstvoll durch Astl\u00f6cher und Ritzen. Verschwanden Spaten, S\u00e4gen, \u00c4xte, Gewehre und Munition, fehlten Futtermittel, packte viele Siedler Angst und Wut. H\u00f6rte man keinen Laut aus den St\u00e4llen, wusste jeder, dass auch das Vieh gestohlen war. Es sollte schlimmer kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eZwei k\u00fcrzlich eingetroffene Kolonisten, beide Familienv\u00e4ter, wurden von den Bugern am hellichten Tag, kaum zwanzig Klafter (<\/em>1 Klafter =1,9 m)<em> vom n\u00e4chsten Haus entfernt, \u00fcberrascht und ermordet. Was ich bei meiner Ankunft an der Ungl\u00fccksstelle sah, war schrecklich und vielleicht das Schmerzlichste meines ganzen bisherigen Lebens. Die Leichen der armen Ermordeten waren durch Axthiebe furchtbar verst\u00fcmmelt, und die bedauernswerten Witwen warfen sich immer wieder \u00fcber sie und richteten sich nur auf, um mich mit Schm\u00e4hungen zu \u00fcberh\u00e4ufen: ich sei am Tod ihrer M\u00e4nner schuld, ich h\u00e4tte sie beschwatzen lassen, dass sie in ein so unwirtliches Land zogen wo man seines Lebens nicht sicher sei\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schrieb Hermann Blumenau im Januar 1855. Er verlangte Schutz von der Provinzialregierung. Dort aber hatte man Nachrichten \u00fcber \u201adie Wilden\u2019 tunlichst zur\u00fcckgehalten, um m\u00f6gliche Siedler nicht zu verschrecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>N<\/strong>icht immer waren Buger angriffslustig \u2013 nur konnten die Siedler nie erkennen<strong>, <\/strong>wann sie in friedlicher Absicht erschienen. Christine Blumenau, Tochter des Gr\u00fcnders, berichtete von einer bemerkenswerten Begebenheit aus den f\u00fcnfziger Jahren in der Kolonie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSo erz\u00e4hlte er (der Vater) uns auch, dass ein K\u00fcchenschrank, den wir darauf immer mit scheuem Interesse ansahen, sein Leben und das der Mitbewohner des Hauses rettete bei einem Buger\u00fcberfall an der Velha. W\u00e4hrend alle Leute noch Zeit hatten, sich auf den Boden zur\u00fcckzuziehen, kamen die Buger ins Haus, durchsuchten die R\u00e4ume und gingen auch an die Schr\u00e4nke; beim \u00d6ffnen dieses einen knarrte die T\u00fcr f\u00fcrchterlich , und das fl\u00f6\u00dfte ihnen scheinbar Furcht vor einem Geist ein, worauf sie entflohen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Situation im Land<\/strong><\/p>\n<p><div id=\"attachment_668\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/karte.png\" rel=\"attachment wp-att-668\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668\" class=\"wp-image-668 size-full\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/karte.png\" alt=\"karte\" width=\"454\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/karte.png 454w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/karte-300x208.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-668\" class=\"wp-caption-text\">Karte des Munizips Blumenau<\/p><\/div><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcberf\u00e4lle \u2013 Zahlen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M<\/strong>it Bedacht hatten Provinzialregierungen Einwanderern Stammes \u2013bzw. Durchzugsgebiete ungenau oder gar nicht aufgezeigt, m\u00f6gliche Bedrohungen verharmlost \u2013 jedenfalls gegen\u00fcber jenen, die als Siedler zu Entwicklung und Aufbau des Landes erw\u00fcnscht waren \u2013 wie die Deutschen. Doch auch sie wurden im portugiesisch gepr\u00e4gten Brasilien von einigen abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch waren Verachtung und Hass auf Povos Ind\u00edgenas in Brasilien weit verbreitet. Dazu geh\u00f6rte auch Rassismus schlimmster Art<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>us dem Munizip Blumenau (gesamtes Siedlungsgebiet, 11 000 km2, knapp viermal so gro\u00df wie das Saarland heute ((2570)) gibt es eine fast vollst\u00e4ndige Aufz\u00e4hlung von \u00dcberf\u00e4llen und T\u00f6tung von Siedlern.<\/p>\n<p>Erster Angriff im November 1852 auf das Haus des Koloniegr\u00fcnders, der zuf\u00e4llig nicht anwesend war. Nachbarn vertrieben die Eindringlinge.<\/p>\n<p><strong>I<\/strong>n einer Holzschneidem\u00fchle am \u2018Kleinen Itaja\u00ed\u2018 (Nebenfluss) wurden 1855 zwei Arbeiter umgebracht, der Besitzer durch Pfeilsch\u00fcsse schwer verwundet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>m Jahre 1856 wurden zwei Siedler, wenige Monate vorher aus Deutschland eingetroffen, in Itoupava-S\u00eaca ermordet. 1870 kamen vier Kolonisten am Rio do Testo und im Land (heute Pomerode), ein Siedler in der Garcia und einer in Benedito, ums Leben.<\/p>\n<p><strong>M<\/strong>it zunehmender Einwandererzahl war f\u00fcr \u2018Ind\u00edgenas\u2018 mehr und mehr fette Beute m\u00f6glich. Die \u00dcberf\u00e4lle wurden zahlreicher und\u00a0 \u2013 grausamer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E<\/strong>rst 1877, nach mehreren Eingaben Blumenaus schickte die Provinzialregierung Aufsichtspersonal, sogenannte Pedestres (Waldl\u00e4ufer zu Fu\u00df) in die Kolonie. Das waren Wachsoldaten mit Gewehr, \u00fcberwiegend Indios. Von der Waffe aber durfte kein Gebrauch gemacht werden \u2013 also &#8211; schie\u00dfen verboten! Wer h\u00e4tte auch auf seine Stammesgenossen geschossen \u2013 auf Mitglieder feindlicher St\u00e4mme \u2013 schon eher!<\/p>\n<p><strong>S<\/strong>icherheit gab es \u2013 trotz des Wachpersonals, das auch noch einem \u2018Chef\u2018 unterstellt war \u2013nicht. Die Zahl der \u00dcberf\u00e4lle ver\u00e4nderte sich nicht.<\/p>\n<p><strong>I<\/strong>n den Achtzigerjahren waren es bei rund 18 000 Einwohnern von Blumenau vergleichsweise wenige.<\/p>\n<p>1883: zwei, 1884: einer, 1885: drei, 1889: drei.<\/p>\n<p>1902 wurden schon sieben Siedler get\u00f6tet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>ohl in Notwehr und aus Wut setzten Kolonisten im Umland von Blumenau (Brusque und S\u00e3o Bento im Munizip Cresciuma) noch Anfang des 20. Jahrhunderts bewaffnete \u2018Bugerj\u00e4ger\u2018 (Indianerj\u00e4ger(!) ein.<\/p>\n<p><strong>D<\/strong>iebe stahlen \u2018nur\u2018 Waffen, Munition, Werkzeuge, Vieh und Lebensmittel.<\/p>\n<p><strong>G<\/strong>ef\u00e4hrlich wurde es, wenn Siedler sich zur Wehr setzten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn der Wert des menschlichen Lebens wurde, \u00fcberwiegend aber nicht ausschlie\u00dflich, vonseiten der Povos ind\u00edgenas anders beurteilt, als von jenen, die in der Tradition des christlichen Abendlandes lebten und das Gebot\u00a0<em>du sollst nicht t\u00f6ten\u00a0<\/em>befolgten \u2013 von Ausnahmen abgesehen (s.o.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>m 11.11. 1911 berichtete die Blumenauer Zeitung von 43 Botokuden, die sich \u2013 noch nie sei derartiges geschehen \u2013 Kolonisten im Umland von Blumenau in friedlicher Absicht gen\u00e4hert h\u00e4tten. Angeblich seien sie einige Tage zuvor durch einen Bugerj\u00e4ger vom Friedenswillen der Siedler \u00fcberzeugt worden. Diese Zusammenkunft wurde fotografiert. Der H\u00e4uptling war \u2013 gut erkennbar, sehr dick. Die Indios forderten Nahrungsmittel und Waffen, die sie normalerweise entwendet h\u00e4tten, um die verfeindeten Coroados bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>T<\/strong>rotz dieser ersten dokumentierten friedlichen Begegnung von Siedlern und Indianern sollten noch drei Jahre bis zur beiderseitigen \u2018Waffenruhe\u2018 vergehen, obwohl schon 1910 f\u00fcr ganz Brasilien ein Indianerschutzdienst (SPI) mit Wachposten an strategisch wichtigen Orten eingerichtet worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E<\/strong>iner dieser Wachtposten, Deutsch-Brasilianer, wachte an strategisch wichtigem Ort nahe der Kolonie Blumenau. Er kannte die Sprache der Kaingangindianer. Der Mann schaffte es, diesen Stamm, der neben Botokuden und Coroados im Tal des Itaja\u00ed verbreitet war, nach einem letzten \u00dcberfall im Jahr 1914 zu friedlichem Miteinander zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z<\/strong>wischen 1852 und 1914 gab es im Munizip Blumenau 61 Angriffe. Dabei wurden 41 Kolonisten get\u00f6tet und 22 verletzt. Hinzu kommen \u00dcberf\u00e4lle in den umliegenden Siedlungsgebieten; gesamt: 60 Tote und 30 Verletzte. Die Zahl der get\u00f6teten Indianer ist nie aufgezeichnet worden.<\/p>\n<p><div id=\"attachment_669\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bild2.png\" rel=\"attachment wp-att-669\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-669\" class=\"wp-image-669 size-large\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bild2-1024x780.png\" alt=\"bild2\" width=\"640\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bild2-1024x780.png 1024w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bild2-300x228.png 300w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bild2-768x585.png 768w, https:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bild2.png 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-669\" class=\"wp-caption-text\">Spix\/Martius Expeditionsbilder<\/p><\/div><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Indios \u00a0bewohnten vermutlich, bevor sie in Brasilien sesshaft wurden, jene Regionen S\u00fcdamerikas, die nicht nur mit Urwald bedeckt waren. 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