{"id":455,"date":"2016-02-29T16:58:28","date_gmt":"2016-02-29T16:58:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?p=455"},"modified":"2016-04-11T12:22:35","modified_gmt":"2016-04-11T12:22:35","slug":"seereise-nach-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?p=455","title":{"rendered":"Seereise nach Brasilien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reise nach Brasilien<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ausz\u00fcge aus den Notizen eines Auswanderers nach Blumenau in Brasilien von Karl Kleine, 1856. Sohn Theo ver\u00f6ffentlichte die Aufzeichnungen 1997unter dem Titel: BLUMENAU EINST \u2013 <em>Erlebnisse und Erinnerungen eines Eingewanderten<\/em> (Gramado, Rio Grande do Sul)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><em>ir beiden Knaben und mein Vater fuhren Zwischendeck. Unsere kranke Mutter mit dem Schwesterlein waren in der Kaj\u00fcte untergebracht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir beiden Jungen hatten auf der ganzen Seereise nicht die Spur von Seekrankheit, dagegen aber immer einen gewaltigen Appetit. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Kost war sehr \u201eseem\u00e4nnisch\u201c, d.h. schwer vertr\u00e4glich. Zusammengekochtes bestand aus salzigen, s\u00fc\u00dfen, harten, weichen und, je l\u00e4nger die Reise dauerte, auch verdorbenen Zutaten. Wer das vertrug, konnte auch Ziegelsteine essen, ohne krank zu werden (wahrscheinlich waren die hygienischer).<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>A<\/em><\/strong><em>uch war das Wasser von Anfang an in einem solchen Zustand, da\u00df wir uns immer im stillen wunderten, warum wir immer kalten Tee mit solch einem sonderbaren Geschmack trinken mu\u00dften, und meinten in unserer Unschuld, das m\u00fcsse wohl ein probates Mittel gegen die leidige Seekrankheit sein, kamen aber doch bald dahinter, was das f\u00fcr Medizin war. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>D<\/em><\/strong><em>as Essen war wohl reichlich, aber man denke sich einmal Graupen, Reis oder Kl\u00f6\u00dfe mit Sirup und Pflaumen in einem Topf mit Salzfleisch gekocht! Brr! Doch der Mensch gew\u00f6hnt sich ja schlie\u00dflich an alles; warum nicht auch an gesalzenen Sirup?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>J<\/em><\/strong><em>a, wenn\u2019s Erbsen, Linsen oder Labskaus gab, das war ein ander Ding! Wahre Festtage aber waren, f\u00fcr uns Jungen wenigstens, die sogenannten Puddingtage. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>S<\/em><\/strong><em>ein Rezept zur Bereitung des kostbaren Puddings hatten wir ihm <\/em>(dem Koch)<em> bald abgelauscht. Er nahm Mehl, sch\u00fcttete etwas Salz, Zucker und Sirup hinein, und, wenn er gut gelaunt<\/em> <em>war.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Da wurde denn das M\u00f6glichste geleistet im Puddingvertilgen. Auch im Vertilgen der Kekse stellten wir unseren Mann, dagegen wurde der arme Hering mit Verachtung gestraft. Morgens und nach dem Mittagessen gab\u2019s Kaffee und Keks, abends Tee mit Keks und \u2013 wer es verlangte \u2013 \u00dcberbleibsel vom Mittagessen. Viele hoben sich selber etwas vom Mittagessen zum Abend auf.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>U<\/em><\/strong><em>nser Koch, der seine Sache \u00e4u\u00dferst praktisch betrieb, sch\u00fcttete an jedem Montag gleich den Kaffe f\u00fcr die ganze Woche in einen gro\u00dfen wollenen Beutel, der fr\u00fcher einmal seine Zipfelm\u00fctze gewesen sein mu\u00dfte, denn es hing noch eine Quaste daran, deren einstige Farbe man freilich nicht mehr erkennen konnte. Jeden Tag nun wurde das n\u00f6tige Quantum kochenden Wassers darauf gegossen. Auf diese Weise schuf er seinen Kostg\u00e4ngern einen untr\u00fcglichen Wochenkalender. Am Montag gab\u2019s giftstarken Kaffee, dienstags etwas schw\u00e4cher und so fort, bis wieder Montag war. Der Sonntagskaffee hie\u00df nicht anders als Zipfelwasser. Genau ebenso verfuhr er mit dem Teeaufgu\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>m Zwischendeck befanden sich lauter unbemittelte Leute, die aber gewohnt waren, ihr Brot mit ihrer H\u00e4nde Arbeit zu verdienen, ein Umstand, der gerade damals f\u00fcr Blumenau von gro\u00dfer Wichtigkeit war (Karl Kleine 1856).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reise nach Brasilien\u00a0 Ausz\u00fcge aus den Notizen eines Auswanderers nach Blumenau in Brasilien von Karl Kleine, 1856. 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