{"id":77,"date":"2015-10-27T11:53:45","date_gmt":"2015-10-27T11:53:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=77"},"modified":"2016-04-17T14:07:42","modified_gmt":"2016-04-17T14:07:42","slug":"dr-hermann-blumenau","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=77","title":{"rendered":"<font color=\"#00961C\">Dr. Hermann Blumenau<\/font>"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wer kennt Hermann Blumenau?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Passantenbefragung in einer Berliner Einkaufsstra\u00dfe: \u201eF\u00e4llt Ihnen etwas zum Namen <em>Blumenau<\/em> ein?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein junger Mann: \u201eWee\u00df ick nich, is wohl\u2019n Blumenladen oder \u2018ne J\u00e4rtnerei.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u00e4ltere Dame: \u201eDavon hab\u2019 ich in der Schule geh\u00f6rt\u2026 eine Stadt? Ich glaube, in S\u00fcdamerika.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Reiseb\u00fcro speziell f\u00fcr Brasilien: \u201eBlumenau in Santa Catarina?\u00a0 &#8211; Wir rufen Sie sp\u00e4ter an\u201c. Der Anruf fand nie statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Biograf Karl Fouquet* leitete das Lebensbild des Gr\u00fcnders mit der Frage ein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Blumenau ein Unbekannter?<\/em> und mochte sich auf ein Ja oder Nein nicht festlegen. Zwar genie\u00dft die Stadt als Messe- Medien- und Wirtschaftszentrum hohes Ansehen, zieht zahlreiche Touristen an, die das \u2018bayerische\u2018 Oktoberfest in Blumenau am gro\u00dfen Fluss Itaja\u00ed besuchen und deutsche Fachwerkh\u00e4user bestaunen. Doch\u00a0 \u2013\u00a0 wer kennt den Gr\u00fcnder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1979 schrieb Fouquet \u2026 \u201eauch verbindet fast jeder Gebildete im s\u00fcdlichen Brasilien und in Deutschland mit der geographischen Bezeichnung die Vorstellung eines Mannes, der von dem leidenschaftlichen Wunsch zu kolonisieren beseelt war und der sein Ziel nach \u00dcberwindung unz\u00e4hliger Hemmnisse erreicht hat: aber auf diese wenigen Z\u00fcge bleibt das Bild im allgemeinen beschr\u00e4nkt.\u201c<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">*Karl Fouquet, Dr. Hermann Blumenau, Ein Bild seines Lebens 1979, S. Leopoldo, RS \u2013 Brasil<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/HB-1861-Orig.-m.-Unterschr..jpg\" rel=\"attachment wp-att-377\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-377 alignright\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/HB-1861-Orig.-m.-Unterschr.-230x300.jpg\" alt=\"H. Blumenau im Garten\" width=\"230\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/HB-1861-Orig.-m.-Unterschr.-230x300.jpg 230w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/HB-1861-Orig.-m.-Unterschr.-768x1000.jpg 768w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/HB-1861-Orig.-m.-Unterschr.-787x1024.jpg 787w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/HB-1861-Orig.-m.-Unterschr..jpg 1425w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong> Dr. Hermann Blumenau 1819 \u2013 1899 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>ls Christiane Sophie Blumenau ihrem sechsten Kind im Dezember 1819 das Leben schenkte, war sie 42 Jahre alt. Der Vater Carl Friedrich, Oberf\u00f6rster, in Herzoglich-Braunschweigischen Diensten, ab 1840 Forstrat, leitete die Bereiche Bergbau, K\u00f6hlerei, Forst und H\u00fcttenwesen in Hasselfelde am Harz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den letzten, unerw\u00fcnschten Nachk\u00f6mmling Hermann missachtete er lebenslang. Die Mutter aber liebte ihr \u2018M\u00e4nnchen\u2019 und sch\u00fctzte ihn soweit m\u00f6glich, vor v\u00e4terlicher Angriffslust.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-627 alignleft\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/busch-300x267.png\" alt=\"busch\" width=\"203\" height=\"181\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/busch-300x267.png 300w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/busch.png 315w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Herr ist nicht Hermannm Blumenaus Vater. So \u00e4hnlich aber muss er auf seinen Sohn gewirkt haben. (Zeichnung: Wilhelm Busch)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z<\/strong>war durfte Hermann, nachdem er in der B\u00fcrgerschule Hasselfelde als besonders begabtes Kind aufgefallen war, das renommierte Martino-Katharineum in Braunschweig besuchen, doch musste er auf Anweisung des Vaters mit sechzehn Jahren das Gymnasium verlassen, um eine Ausbildung zum Apotheker in Blankenburg zu beginnen, die er 1840 in Erfurt mit besten Zeugnissen abschloss. Danach ging er, wie damals \u00fcblich, auf Wanderschaft durch B\u00f6hmen, \u00d6sterreich, \u00fcber die Alpen bis zum Gro\u00dfglockner. Auf dem R\u00fcckweg besuchte er Erfurt, wo er in der Trommsdorff\u2019schen Schwanenapotheke, damals Mittelpunkt pharmazeutischer und intellektueller Avantgarde, Alexander von Humboldt begegnete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1844 wurde Blumenau, ohne Abitur, an der Universit\u00e4t Erlangen zum Studium der Philosophie mit Fachrichtung Chemie zugelassen, das er 1846 mit der Promotion abschloss. Eine Fakult\u00e4t f\u00fcr Chemie, Physik und andere Naturwissenschaften gab es noch nicht; sondern nur die Philosophische Fakult\u00e4t, deshalb Dr. Phil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P<\/strong>arallel zum Studium informierte sich Blumenau \u00fcber das brisante Thema Auswanderung. Die Tatsache, dass pro Jahr 60 000 von 35,5 Millionen Deutschen ihre Heimat verlie\u00dfen, Auswanderungsverbote nicht befolgt wurden, spornte ihn an, weiter zu ermitteln, denn die Zahl der Emigranten nahm drastisch zu. Der Einsatz von Dampfmaschinen auf dem Acker hatte jene schwer getroffen, die, nach Abschaffung der Leibeigenschaft, bei ihren ehemaligen Grundherren als Landarbeiter angestellt waren. Sie wurden entlassen. Um ihre kinderreichen Familien zu ern\u00e4hren, musste ein Ausweg gefunden werden. Nun wanderten Bauern in die gro\u00dfen St\u00e4dte, arbeiteten als ungelernte, schlecht bezahlte Arbeiter in riesigen Fabrikhallen oder wanderten aus. Wegen Armut, Sorge und Elend im Harz, in Mittel- und Ostdeutschland ver\u00f6deten ganze Landschaften.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Deckblatt-1846.jpg\" rel=\"attachment wp-att-408\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-408 alignleft\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Deckblatt-1846-185x300.jpg\" alt=\"Deckblatt 1846\" width=\"185\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Deckblatt-1846-185x300.jpg 185w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Deckblatt-1846-630x1024.jpg 630w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Deckblatt-1846.jpg 742w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><strong>A<\/strong>nfang 1846, kurz nach seiner Promotion und wenige Tage vor der ersten Reise nach Brasilien, erschien Blumenaus erste schriftliche Abhandlung <em>Deutsche Auswanderung und Kolonisation<\/em> in einem Sammelband und ohne Namensangabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>n dieser Schrift stellte Blumenau unumst\u00f6\u00dflich fest, dass Auswanderung nicht zu verhindern sei. Deshalb m\u00fcsse Deutschen in der Fremde Sicherheit beim Aufbau einer neuen Existenz geboten werden, eigener Grund und Boden garantiert, Religionsfreiheit, Erhalt der deutschen Sprache und Kultur erlaubt und m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Qualit\u00e4t, Vielfalt und Ernsthaftigkeit der Argumentation, der Menge n\u00fctzlicher Informationen, ragt Blumenaus Abhandlung aus der Masse verbreiteter Werbeschriften heraus, in denen Brasilien als Schlaraffenland, wo man ohne M\u00fche reich werden kann, beschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P<\/strong>rominente Zeitgenossen unterst\u00fctzten Blumenaus Arbeit; darunter Carl Friedrich v. Martius, Professor an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen, Naturwissenschaftler und Forschungsreisender in Brasilien. Er f\u00f6rderte und unterst\u00fctzte Blumenaus Lebensplan, deutschen Auswanderern in Brasilien eine neue Heimat und Lebensgrundlage, zu schaffen, vermittelte Kontakte zu Pers\u00f6nlichkeiten in Brasilien, die dem hochengagierten jungen Mann auf seinem ungew\u00f6hnlichen Weg von Nutzen sein sollten. Unter ihnen stand Johann Jakob Sturz, Generalkonsul der Kaiserlich Brasilianischen Regierung f\u00fcr Preu\u00dfen mit Sitz in London, an erster Stelle. Sturz\u2019 eindringliche Schilderung unmenschlicher Behandlung schwarzer Sklaven in brasilianischen Goldminen ber\u00fchrte Blumenau so, dass er einen schicksalhaften Entschluss fasste: <em>Meine Kolonie darf nur mit eigener H\u00e4nde Kraft entstehen \u2013 ohne Sklavenarbeit<\/em>! Das war ungew\u00f6hnlich und hielt viele davon ab, sich in Blumenaus Kolonie niederzulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/avh.png\" rel=\"attachment wp-att-628\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-628 aligncenter\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/avh-300x191.png\" alt=\"avh\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/avh-300x191.png 300w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/avh.png 656w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><strong>A<\/strong>uch Alexander von Humboldt sch\u00e4tzte Blumenaus Kenntnisse und hohes Engagement. Er nahm ihn in den Kreis f\u00f6rderungsw\u00fcrdiger junger M\u00e4nner auf, schrieb Empfehlungsbriefe als \u201aEntree f\u00fcr gro\u00dfe H\u00e4user\u2019 in Brasilien und vermittelte eine Anstellung bei einer Hamburger Auswanderungsgesellschaft. In deren Auftrag nahm Blumenau im M\u00e4rz 1846 seine erste Erkundungsreise mit dem Ziel \u2018geeignetes Land f\u00fcr deutsche Auswanderer\u2019 zu erkunden, auf. Diese Expedition dauerte zwei Jahre, in denen er praktische Erfahrung als Erg\u00e4nzung zu seinen theoretischen Kenntnissen, gewann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Flo\u00df.jpg\" rel=\"attachment wp-att-404\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-404 alignleft\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Flo\u00df-300x212.jpg\" alt=\"Flo\u00df\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Flo\u00df-300x212.jpg 300w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Flo\u00df.jpg 468w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>m 2. September 1850 trafen die ersten siebzehn Einwanderer in der von Blumenau gew\u00e4hlten Region am Gro\u00dfen Fluss Itaja\u00ed im S\u00fcdstaat Santa Catarina, ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich sollten es 250 sein. Sie wurden kurz vorher \u2013 abgeworben. Dies war nur der Anfang einer Serie von Ereignissen, die Hermann Blumenau den Glauben an menschlichen Anstand fast geraubt h\u00e4tten. Immer wieder aber fasste er, trotz offener Feindschaft vonseiten des Gouverneurs und seiner Verwaltungsbesamten, trotz Indianer\u00fcberf\u00e4llen und Hochwasserkatastrophen, neuen Mut, wollte \u2018seine Siedler\u2019 keinesfalls im Stich lassen. 1860, nachdem ein neuer Gouverneur Blumenaus Leistung anerkannte, wurde die \u201avorbildlich gef\u00fchrte Kolonie\u2019 mit 947 Einwohnern von der Brasilianischen Regierung \u00fcbernommen, Blumenau zum Direktor des \u201aMustermunizips\u2019 ernannt. Nun entstand, dank \u00f6ffentlicher F\u00f6rderung, eine solide Infrastruktur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>ls Blumenau 1884 nach Deutschland zur\u00fcckkehrte, um mit Frau und Kindern den Lebensabend in Braunschweig zu verbringen, lebten in der einstigen Kolonie 18 000 Personen. Hermann Blumenau hatte sein Lebenswerk vollbracht. 1899 ist er im Alter von 79 Jahren \u00edm Kreis seiner Familie sanft entschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H<\/strong>eute ist Blumenau mit 300 000 Einwohnern die bekannteste Stadt deutscher Herkunft in Brasilien. Wirtschaft, Industrie, moderne Technologie sind hervorragend, das Brutto-sozialprodukt liegt weit \u00fcber dem Landesdurchschnitt. 2007 fanden hier die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage statt. In dieser Stadt leben Menschen aus aller Welt. Die Entstehungsgeschichte ist jedermann bekannt. Jedes Jahr am 2. September feiern sie den Gr\u00fcndungstag der einstigen Kolonie im brasilianischen Urwald: Blumenau in Santa Catarina.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Jutta Blumenau-Niesel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Leben f\u00fcr Brasilien<\/strong><\/p>\n<p>Hermann Blumenau 1819- 1899<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Landk.m.-Blu-fett.jpg\" rel=\"attachment wp-att-388\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-388\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Landk.m.-Blu-fett-300x208.jpg\" alt=\"Landk.m. Blu fett\" width=\"404\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Landk.m.-Blu-fett-300x208.jpg 300w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Landk.m.-Blu-fett-768x533.jpg 768w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Landk.m.-Blu-fett.jpg 774w\" sizes=\"auto, (max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Letztes-Foto-HB.jpg\" rel=\"attachment wp-att-378\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-378 alignnone\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Letztes-Foto-HB-218x300.jpg\" alt=\"H. Blumenau, Letztes Foto\" width=\"205\" height=\"282\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Letztes-Foto-HB-218x300.jpg 218w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Letztes-Foto-HB-768x1057.jpg 768w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Letztes-Foto-HB-744x1024.jpg 744w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K<\/strong>ein Deutscher in Brasilien hat h\u00f6heres Ansehen errungen als Dr. phil. Hermann Bruno Otto Blumenau, der im Jahr 1850 ein Werk begann, dem bis heute Bewunderung, Respekt und hohe Anerkennung entgegengebracht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>as trieb jene Menschen an, die beschlossen hatten, ihr Leben den unsicheren Planken eines Segelschiffes anzuvertrauen, um nach drei Monaten ein Land zu betreten, wo \u00fcber Bewohner, Sitten und Gebr\u00e4uche h\u00f6chst widerspr\u00fcchliche, abenteuerliche, auch be\u00e4ngstigende Nachrichten im Umlauf waren? Wo die Sonne mittags im Norden steht, der Schrei wilder Tiere den Fremdling erschreckt, Kaimane an den Ufern der Fl\u00fcsse lauern, der Urwald drohend, dicht wie eine Mauer, dem Eingewanderten Furcht einfl\u00f6\u00dft?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>V<\/strong>ieles kam zusammen. Der entscheidende Grund zur Auswanderung aber war<strong>: Armut<\/strong>. In Deutschen Landen \u2013 Deutschland als Ganzes gab es vor 1871 noch nicht \u2013 war sie zum alles beherrschenden Notstand geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z<\/strong>war war die Erfindung der Dampfmaschine \u2018bahnbrechend\u2019, doch ahnte niemand, welche Konsequenzen folgen sollten. Erst nachdem die umw\u00e4lzenden M\u00f6glichkeiten erkannt und erprobt waren, setzte, nach England auch in Deutschland, jener rasante Umschwung ein, den wir heute die\u00a0<em>Industrielle Revolution<\/em>\u00a0nennen: Tradierte Handarbeit wurde ersetzt durch maschinelle Produktion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L<\/strong>\u00e4ndlichen Kleinbetrieben gingen Auftr\u00e4ge verloren, weil handwerkliche Arbeit, Reparatur und Neuanfertigung viel mehr Zeit beanspruchten, als industrielle Fertigung. Zunehmend mehr Bauern und deren S\u00f6hne verlie\u00dfen Haus und Hof, um in der Stadt als schlecht entlohnte, ungelernte Arbeitskr\u00e4fte an Maschinen zu arbeiten, auf engem Raum in dunklen Mietskasernen ihr Leben zu fristen. Sie verloren nicht nur Heimat und Familie, sondern auch ihre kulturelle Identit\u00e4t, verkamen zu st\u00e4dtischem Proletariat, dessen Vertreter sp\u00e4ter in revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nden f\u00fcr bessere Lebensbedingungen k\u00e4mpfen sollten. Nicht wenige dieser Armen und Unterdr\u00fcckten hatten von Auswanderung geh\u00f6rt, w\u00fcnschten sich, in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen. Viele haben diesen Plan verwirklicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>n alter Zeit, als Gro\u00dfmutter, Mutter und Kinder an langen Winterabenden beieinander sa\u00dfen, spannen, webten, stickten und n\u00e4hten, wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Geschichten erz\u00e4hlt, wurde gelacht, gebetet und gesungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dreh dich, dreh dich R\u00e4dchen, spinne mir ein F\u00e4dchen, viele, viele hundert Ellen lang.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Rad des Fortschritts aber drehte sich schneller als gedacht. Ver\u00e4nderung war unausweichlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>N<\/strong>achdem der gro\u00dfe Umbruch geschehen war, brach bis dahin nicht gekanntes Elend \u00fcber die Menschen herein. Auch Kinder wurden in die Stadt geschickt \u2013 zum Betteln.\u00a0<em>Das kleine M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzchen<\/em>\u00a0\u2013 wer konnte Tr\u00e4nen zur\u00fcckhalten bei dieser traurigen Geschichte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>J<\/strong>etzt wurde nicht mehr gelacht, sondern gehungert, geklagt und gebetet.\u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erh\u00f6r mein Rufen. V<\/em>ergebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott schwieg. Viele Menschen jedoch verzagten nicht, wanderten aus in dieser schweren Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2018<strong>A<\/strong>uswanderungsfieber\u2018 im 19. Jahrhundert hatte nicht nur die Armen gepackt, sondern auch Forscher, Wissenschaftler und Abenteurer. Sie nannten es \u2018Sehnsucht nach der unbekannten Ferne\u2019, die zweifellos auch Hermann Blumenau ergriffen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blumenau jedoch war weder Auswanderer, noch Abenteurer. Forschungsreisender nur, um im Auftrag einer Hamburger Gesellschaft von Kaufleuten geeignetes Siedlungsland f\u00fcr deutsche Einwanderer in Brasilien zu erkunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Aufbau der Kolonie standen Blumenau qualifizierte Mitarbeiter zur Seite deren Namen in Brasilien noch heute bekannt sind. Ihr Beitrag hat wesentlich zur Entwicklung beigetragen. Zu ihnen geh\u00f6rten Emil Odebrecht, Hermann Wendeburg, Theodor Kleine, der Naturwissenschaftler und Darwinist Dr. Fritz M\u00fcller, dessen Werk weit \u00fcber Landesgrenzen hinaus Bedeutung erlangt hat.<\/p>\n<p>Blumenau in Geschichte und Gegenwart \u2013 Beispiel und Vorbild zugleich!<\/p>\n<p>Gelungene \u2018mistura\u2018 aus deutscher Tradition und brasilianischer Eigenart.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Jutta Blumenau-Niesel<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Hermann Blumenau in Erfurt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/erfurt.png\" rel=\"attachment wp-att-636\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-636 alignleft\" src=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/erfurt-300x219.png\" alt=\"erfurt\" width=\"362\" height=\"264\" srcset=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/erfurt-300x219.png 300w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/erfurt-768x560.png 768w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/erfurt-1024x747.png 1024w, http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/erfurt.png 1043w\" sizes=\"auto, (max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\"><strong>I<\/strong>n der damals ber\u00fchmten Schwanenapotheke in Erfurt (heute gibt es nur noch einen Teil des Gartens) tauschten Forschungsreisende und Naturwissenschaftler neueste Ergebnisse aus. Dort berichtete auch Justus von Liebig \u00fcber seine Erfindung eines haltbaren Lebensmittels (Liebigs Fleischextrakt), informierte \u00fcber \u2018seinen\u2018 neuen Kunstd\u00fcnger und dessen Vorteile f\u00fcr die Landwirtschaft. In der Schwanenapotheke berichteten Alexander von Humboldt, Carl Friedrich von Martius, Johann Baptist von Spix und andere<\/span>\u00a0Wissenschaftler \u00fcber ihre Forschungen und Reisen in ferne L\u00e4nder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H<\/strong>ermann Blumenau, befreundet mit dem Sohn des alten Professor Trommsdorff, \u2018Chef\u2019 und Eigent\u00fcmer der Schwanenapotheke, durfte als junger Mann an einigen dieser Veranstaltungen teilnehmen. Im Kreis der \u2018erlauchten\u2019 Wissenschaftler fiel er auf durch fundierte Kenntnisse \u00fcber das damals brandaktuelle Thema Auswanderung, hatte sich zum \u2018Spezialisten\u2018 auf diesem Gebiet entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I<\/strong>n Erfurt hatte Hermann Blumenau endg\u00fcltig die \u2018Sehnsucht nach der unbekannten Ferne\u2019 gepackt. Dass ihm dieser Traum zur bitteren und unvorstellbar harten Realit\u00e4t wurde, indem er 1850 in Brasilien eine Siedlung f\u00fcr deutsche Auswanderer gr\u00fcndete \u2013 ohne Sklavenarbeit, wie Blumenau verlangte, hatte er als Zwanzigj\u00e4hriger in Erfurt nicht in ahnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Jutta Blumenau-Niesel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Wer kennt Hermann Blumenau? &nbsp; Passantenbefragung in einer Berliner Einkaufsstra\u00dfe: \u201eF\u00e4llt Ihnen etwas zum Namen Blumenau ein?\u201c Ein junger Mann: \u201eWee\u00df ick nich, is wohl\u2019n Blumenladen oder \u2018ne J\u00e4rtnerei.\u201c Eine \u00e4ltere Dame: \u201eDavon hab\u2019 ich in der Schule geh\u00f6rt\u2026 &hellip; <a href=\"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/?page_id=77\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-77","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/77","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=77"}],"version-history":[{"count":28,"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/77\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":858,"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/77\/revisions\/858"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blumenau-gesellschaft.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=77"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}